Die Geschichte von Louis Vuitton
Anno 1854 machte sich der Kleinhandwerker Louis Vuitton in Paris selbständig. Keine Geringere als Kaiserin Eugénie, Gattin des französischen Kaisers Napoléon III, hatte sein Talent erkannt und ihn zu ihrem persönlichen Koffermacher ernannt.
Entsprechend sprach sich die Handwerkskunst des Jungunternehmers in den "richtigen" Kreisen herum. Schon bald arbeitete der Hoflieferant auch für den Khediven (Vizekönig) Ismael Pascha in Ägypten sowie für König Alphonso XII (Spanien) und den Großherzog Nikolaus, den späteren und letzten russischen Zaren.
Vuitton machte sein Handwerk zur Kunstform - und er innovierte. So stellte er erstmalig Truhen mit flachem Oberteil her, so dass diese problemlos gestapelt werden konnten. Außerdem bespannte er seine vergleichsweise leichten Truhen mit einem Schmutz und Feuchtigkeit abweisendem Leinenstoff. Dies schützte Gepäckstück und Inhalt wirkungsvoll vor den Elementen - damals eine geradezu revolutionäre Neuerung die schnell zum Verkaufsschlager wurde.
Nur: Der neue Leinenstoff war so attraktiv, dass er unverzüglich von der Konkurrenz kopiert wurde. Im Jahr 1873 ersetzte Louis Vuitton deshalb seinen anonym aussehenden Bezugsstoff „Trianon Grey“ durch ein erstes Muster, nämlich rote Streifen auf beigem Hintergrund (später beige auf beige). Zwar war der Erfolg immens, aber letztendlich nahmen auch hier die illegalen Nachahmungen schnell überhand. Es war Louis-Sohn und Firmenerbe Georges, der solchen Fälschungen dann endgültig den Riegel vorschieben wollte. Deshalb führte er 1888 das Schachbrettmuster (Damier) ein, in welches er zum Schutz die Worte „Louis Vuitton, marque deposée“ integrierte. Damit wurde Vuitton-Gepäck die erste Markenware der Welt, die den Namen ihres Herstellers für alle Welt sichtbar nach außen zur Schau trug. Trotz dessen konnte man weiterer Fälschungen nicht Herr werden. So entschloss sich Georges das noch relativ einfache "Damier"-Design gegen ein wesentlich komplizierteres Muster auszutauschen. Damit entstand im Jahre 1896 das weltbekannte, noch heute verwendete Monogramm-Muster. Die Verflechtung der Initialen LV mit damals außerordentlich modernen grafischen Elementen manifestierte gleichzeitig die Beziehung zwischen Nutzer und Objekt. Die Marke wurde endgültig zur eigenen Referenz.
Louis Vuitton (heute das Marken-Schlachtschiff des Konzerns LVMH) kann für sich in Anspruch nehmen, die erste echte Weltmarke von Luxusartikeln zu sein.
Nach dem Tod des Vaters (1892) begann Georges Vuitton - ermutigt durch den Erfolg der wenige Jahre zuvor in London eröffneten Filiale -, die Vereinigten Staaten zu erobern. 1893 besuchte er erstmals amerikanische Städte mit seinen Produkten, und begünstigt durch das starke Zunehmen des transatlantischen Reiseverkehrs, war auch hier der Erfolg gewaltig. Das hochgelobte Reisegepäck aus Frankreich wurde von der Firma John Wannamaker Company in New York und Philadelphia importiert und höchst erfolgreich verkauft.
Georges Vuitton zeichnet außerdem für die Erfindung des bis heute genutzten Sicherheitsschlosses verantwortlich, welches jeweils eine eigene Nummer hat und so dem Benutzer ermöglicht ein ganzes Koffer-Set mit nur einem Schlüssel zu öffnen.
Die eigentliche Hochzeit der Manufaktur Louis Vuitton war jedoch die Zeit der großen Reisen („le grand tour“) - die Epoche der großen Expeditionen, Forschungsreisen und glanzvollen Transatlantik-Passagen auf legendären Luxuslinern wie der "Queen Mary", der "Normandie" oder den Schnelldampfern "Bremen" und "Europa".
Das „goldene Zeitalter“ von Louis Vuitton begann 1880 mit der Übernahme der Geschäftsleitung durch den Gründer-Sohn Georges Vuitton und endete mit dessen Tod im Jahr 1936. In diesen Zeitraum fallen alle wichtigen Produktentwicklungen und der Schritt von „local business“ zum „global player“.
Der beginnende Ruhm von Louis Vuitton wurde durch die Verbindung zu berühmten Entdeckern und die Ausstattung von Expedition gesteigert. So wurde 1875 die berühmte Kongo-Reise des Entdeckers Pierre Savorgnan de Brazza von Louis Vuitton ausgestattet und für die Expedition wurde sogar ein spezielles, in einer Truhe transportables Bett entwickelt. Der so genannte „Brazza bed trunk“ zählt heute zu den begehrtesten Sammlerstücken und bringt auf Auktionen weit über € 50.000.
Seitdem laufen etliche Generationen von gekrönten Häuptern, Industriemagnaten, Filmstars, Sport-Heroen und sonstigen Berühmtheiten kostenlos Reklame für Louis Vuitton.
Heute, im Zeitalter des Massentourismus und des Flugverkehrs mit 20 Kilo Höchstgepäck, spielt die Herstellung von extrem aufwendigen Schrankkoffern, Reisetruhen und -garderoben - obwohl noch immer auf Bestellung erhältlich - wirtschaftlich kaum eine Rolle.
Umso interessanter für Sammler wie Investoren sind deshalb solche Truhen aus dem Age d'or der Weltmarke-Manufaktur - also aus einem klar umrissenen, abgeschlossenen Produktionszeitraum.
AGE D’OR DE LA MARQUE LOUIS VUITTON:
1885 | Eröffnung des ersten Geschäfts in London | |
1888 | Einführung des Musters „Damier“ (Schachbrettmuster) | |
1889 | Gewinn der Goldmedaille auf der Pariser Weltausstellung | |
1896 | Einführung des Musters „Monogram“ | |
1896 | Dependancen in den USA | |
1901 | Steamer Bag | |
1914 | Einweihung des Louis Vuitton Gebäudes auf den Champs-Elysées | |
1924 | Keepall | |
1933 | Speedy | |
1936 | Stokowsky malle secrétaire |
